So wird der Preis berechnet
Es gibt keinen eigenen Börsenkurs für einzelne Legierungen. Jeder Karatpreis wird aus dem Feingoldkurs abgeleitet — die Rechnung ist offen nachvollziehbar:
Alle Werte auf dieser Seite entstehen aus genau dieser Formel.
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Was 999er Gold genau ist
Der Feingehalt 999 bedeutet: In 1.000 Gewichtsteilen der Legierung stecken 999 Teile Gold. Umgangssprachlich heißt das 24 Karat, obwohl 24 Karat rechnerisch 1.000/1.000 entspräche — eine absolute Reinheit, die industriell nicht erreichbar ist. Die verbleibenden 0,1 Prozent sind Restspuren aus dem Raffinationsprozess, meist Silber oder Kupfer.
In der Praxis begegnen Ihnen zwei Angaben: 999 („drei Neunen“) und 999,9 („vier Neunen“). Der Unterschied beträgt 0,09 Prozent des Materialwerts und ist für den Preis irrelevant — bei einem Gramm sprechen wir über den Gegenwert von Bruchteilen eines Cents. Beide gelten uneingeschränkt als Anlagegold. Moderne Prägungen wie Maple Leaf, Philharmoniker oder Britannia werden in 999,9 ausgeliefert, klassische Barren häufig in 999,9, ältere Bestände in 999.
Physikalisch ist Feingold ein weiches, extrem dehnbares Metall: Dichte 19,32 g/cm³, Schmelzpunkt 1.064 °C, Vickershärte nur 25–30 HV. Ein Fingernagel hinterlässt Spuren. Genau deshalb wird Feingold praktisch nie zu Ringen oder Ketten verarbeitet, die täglich getragen werden — es ist ein Anlage- und Industriemetall, kein Schmuckwerkstoff.
Wo Ihnen 999er Gold in Deutschland begegnet
Barren. Der Standardweg in physisches Gold. Übliche Stückelungen reichen von 1 g über 5, 10, 20, 50, 100 und 250 g bis zum 1-Kilo-Barren. Deutsche und Schweizer Scheideanstalten — Heraeus, C. Hafner, Umicore, Degussa, Argor-Heraeus, Valcambi — dominieren den Markt. Kleine Barren bis 100 g kommen meist in einer versiegelten Blisterkarte mit aufgedruckter Seriennummer und Prüfzertifikat.
Anlagemünzen. Maple Leaf (Kanada), Wiener Philharmoniker (Österreich), Britannia (Großbritannien) und Kangaroo (Australien) werden in 999,9 geprägt. Der Krügerrand ist die bekannte Ausnahme: die klassische Münze ist 916er Gold, seit 2017 gibt es zusätzlich Prägungen in Feingold.
Industrie und Technik. Bonddrähte in der Halbleiterfertigung, Kontaktflächen in Steckverbindern und Beschichtungen in der Luft- und Raumfahrt nutzen Feingold wegen seiner Korrosionsbeständigkeit und Leitfähigkeit. Dieser Bedarf ist mengenmäßig klein, aber preisunempfindlich.
Schmuck aus asiatischen Märkten. In Indien, China und Südostasien wird Feingold auch als Schmuck getragen — bewusst als tragbare Wertaufbewahrung. Solche Stücke sind auffallend weich und verbiegen sich leicht; in Deutschland werden sie fast ausschließlich über Altgoldankauf gehandelt.
999er Gold kaufen: worauf der Preis wirklich hängt
Der Materialwert ist bei allen Anbietern identisch — er ergibt sich aus dem Spotkurs. Unterschiedlich ist allein das Aufgeld (Agio): der Aufschlag für Prägung, Verpackung, Logistik und Handelsspanne. Es sinkt deutlich mit der Stückgröße. Grobe Größenordnung im deutschen Handel: 1-g-Barren 8–12 Prozent, 10 g etwa 4–6 Prozent, 100 g rund 2–3 Prozent, 1-kg-Barren häufig unter 1,5 Prozent. Wer 1.000 Euro in zehn 1-Gramm-Barren statt in einen 10-Gramm-Barren steckt, verschenkt beim Kauf leicht einen mittleren zweistelligen Eurobetrag.
Tafelgeschäft und Ausweispflicht. Seit dem 1. Januar 2020 liegt die Schwelle für anonyme Bargeschäfte mit Edelmetallen bei 2.000 Euro (zuvor 10.000 Euro). Ab diesem Betrag muss der Händler nach dem Geldwäschegesetz Ihre Identität feststellen und dokumentieren. Der Kauf bleibt legal und unbeschränkt — er ist lediglich nicht mehr anonym.
Seriosität prüfen. Achten Sie auf einen live an den Spotkurs gekoppelten Preis, ein schriftliches Angebot mit ausgewiesenem Aufgeld, eine ladungsfähige Anschrift und einen genannten Hersteller. Barren namhafter LBMA-akkreditierter Scheideanstalten lassen sich später am einfachsten und mit dem geringsten Abschlag wieder verkaufen — das ist kein Prestige, sondern bares Geld beim Ausstieg.
999er Gold verkaufen: realistische Auszahlung
Feingold ist die Anlageklasse mit der engsten Spanne im gesamten Edelmetallhandel. Für gängige Barren und Anlagemünzen mit Zertifikat zahlen deutsche Ankäufer typischerweise 97 bis 99,5 Prozent des Materialwerts. Es fallen keine Scheidekosten an, weil das Material nicht raffiniert werden muss — der Ankäufer verkauft es unverändert weiter.
Was den Preis drückt: fehlende Originalverpackung, aufgebrochene Blister, unbekannte Hersteller, Kratzer auf Anlagemünzen oder Stücke aus dem Ausland ohne nachvollziehbare Herkunft. Bei nicht identifizierbarem Feingold — etwa eingeschmolzenem Material oder Schmuck ohne Punze — wird der Ankäufer eine Analyse verlangen und behandelt das Stück wie Altgold, mit entsprechend höherem Abschlag von 3 bis 8 Prozent.
Vergleichen Sie immer mindestens zwei Angebote und bestehen Sie auf einer Aufschlüsselung: zugrunde gelegter Feingoldkurs, Gewicht in Gramm, Abschlag in Prozent. Ein Ankäufer, der nur eine Endsumme nennt, macht den Vergleich unmöglich — meist ist das Absicht.
Was Sie beim Ankauf tatsächlich ausgezahlt bekommen
Der Materialwert ist die Obergrenze, nicht der Auszahlungsbetrag. Ankäufer ziehen Scheide- und Raffinationskosten ab und behalten eine Handelsspanne. Die folgende Spanne ist die realistische Bandbreite für diesen Feingehalt:
| Position | pro Gramm | bei 10 g |
|---|---|---|
| Materialwert (Feingoldanteil) | 122,73 € | 1.227,29 € |
| Realistische Auszahlung — oberes Ende −0,5 % | 122,12 € | 1.221,15 € |
| Realistische Auszahlung — unteres Ende −3,0 % | 119,05 € | 1.190,47 € |
Faustregel: Holen Sie mindestens zwei schriftliche Angebote ein und lassen Sie vor Ort wiegen. Seriöse Ankäufer nennen den zugrunde gelegten Feingoldkurs, das Gewicht in Gramm und den Abschlag getrennt — wer nur eine Endsumme nennt, ist schwer vergleichbar.
Steuern auf 999er Gold in Deutschland
Keine Umsatzsteuer (§ 25c UStG). Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit. Als Anlagegold gelten Barren mit einem Feingehalt von mindestens 995/1000 sowie Goldmünzen ab 900/1000, die nach 1800 geprägt wurden, im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und zu höchstens 180 Prozent ihres Goldwerts verkauft werden. 999er Gold erfüllt die Barrenvoraussetzung immer. Sie zahlen also 0 Prozent Mehrwertsteuer — anders als bei Silber, wo 19 Prozent beziehungsweise die Differenzbesteuerung greifen.
Steuerfreier Gewinn nach einem Jahr (§ 23 EStG). Physisches Gold im Privatvermögen fällt unter die privaten Veräußerungsgeschäfte. Halten Sie es länger als ein Jahr, ist der gesamte Veräußerungsgewinn einkommensteuerfrei — unabhängig von der Höhe. Für einen Verkauf innerhalb der Jahresfrist gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Kalenderjahr (angehoben von 600 Euro ab dem Veranlagungszeitraum 2024). Wichtig: Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Bei 1.000,01 Euro Gewinn ist der volle Betrag mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern, nicht nur der übersteigende Teil.
Nachweis führen. Bewahren Sie Kaufbelege mit Datum, Gewicht und Preis auf. Die Jahresfrist müssen Sie im Zweifel belegen können; ohne Beleg unterstellt das Finanzamt im Prüfungsfall nicht automatisch zu Ihren Gunsten. Bei mehreren Käufen desselben Produkts gilt die Fifo-Regel: das zuerst gekaufte Stück gilt als zuerst verkauft.
Keine Abgeltungsteuer. Physisches Gold ist kein Kapitalanlageprodukt im Sinne des § 20 EStG. Die 25-prozentige Abgeltungsteuer greift hier nicht — das unterscheidet Barren und Münzen von Gold-ETFs und Zertifikaten, bei denen die Behandlung von der Konstruktion abhängt.
Echtheit von 999er Gold prüfen
Dichteprüfung. Die aussagekräftigste Methode ohne Spezialgerät. Feingold hat 19,32 g/cm³ — ein Wert, den kaum ein Fälschungsmaterial trifft. Wiegen Sie das Stück trocken und anschließend in Wasser aufgehängt; aus der Differenz ergibt sich das Volumen. Abweichungen über zwei Prozent sind ein ernstes Warnsignal. Der bekannte Sonderfall: Wolfram hat mit 19,25 g/cm³ eine fast identische Dichte und wird für gefälschte Großbarren genutzt.
Ultraschall- und Leitfähigkeitsmessung. Genau gegen diesen Wolfram-Fall entwickelt. Geräte wie Sigma Metalytics messen die elektrische Leitfähigkeit unterhalb der Oberfläche und erkennen einen Fremdkern, den Dichte und Röntgen übersehen. Jeder größere deutsche Händler hat so ein Gerät im Einsatz — fragen Sie beim Kauf danach.
Röntgenfluoreszenz (RFA). Bestimmt die Elementzusammensetzung zerstörungsfrei und in Sekunden, misst aber nur die obersten Mikrometer. Gegen eine dicke Goldbeschichtung auf unedlem Kern ist sie allein nicht ausreichend.
Magnettest und Sichtprüfung. Gold ist nicht magnetisch. Ein starker Neodym-Magnet, an dem etwas haften bleibt, entlarvt plumpe Fälschungen sofort — schließt sie aber nicht aus, da auch Wolfram und Kupfer unmagnetisch sind. Prüfen Sie zusätzlich Prägeschärfe, Kantenqualität und die Seriennummer auf Barren gegen die Datenbank des Herstellers.
Typische Fehler bei 999er Gold
- ⚠Zu kleine Stückelung kaufen. Der 1-Gramm-Barren fühlt sich zugänglich an, kostet aber relativ das höchste Aufgeld. Wer über die Zeit zehn 1-Gramm-Barren sammelt, hat gegenüber einem 10-Gramm-Barren rund 6 bis 8 Prozent Rendite verschenkt, bevor der Kurs sich überhaupt bewegt hat.
- ⚠Blister aufschneiden. Die versiegelte Verpackung ist Teil des Wertnachweises. Ein geöffneter Blister kostet beim Rückverkauf regelmäßig ein bis zwei Prozentpunkte, weil der Ankäufer neu prüfen muss.
- ⚠Die Jahresfrist knapp verfehlen. Ein Verkauf am 360. Tag statt am 366. kann bei einem Gewinn von 8.000 Euro und einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent über 3.000 Euro Steuer auslösen — für sechs Tage Ungeduld. Notieren Sie das Kaufdatum.
- ⚠Feingold als Schmuck erwarten. Wer einen 999er Ring täglich trägt, hat nach wenigen Monaten ein verformtes Stück. Für tragbaren Schmuck sind 750er oder 585er die technisch richtige Wahl.